17.10.2002, Demokratische Wasserscheide  

In diesen Tagen und Wochen mag Europäern das Verhalten des öffentlichen Amerika immer unverständlicher erscheinen. Dieses Gefühl, das mir im September in Europa immer wieder beschrieben wurde, ist auch den Amerikanern nicht verborgen geblieben. National Public Radios Europa-Korrespondentin sieht einen grundlegenden Bruch zwischen den beiden Kontinenten. Interessanterweise betonte der deutsche Botschafter unlängst das Gegenteil: Man sei sich über viel mehr einig, als es zu weilen den Anschein habe. Beide haben wohl recht, und gehen doch am eigentlichen Thema vorbei. Denn wichtig ist weniger, wieviel (oder wenig) wir gemeinsam haben, als vielmehr wo die Wurzeln unserer Gemeinsamkeiten liegen, und wo die unserer Differenzen.

Ich kann mir, schrieb mir heute eine Kollegin, gar nicht vorstellen, dass die Mehrheit unseres Landes für einen Krieg gegen den Irak ist. Alle meine Freunde sind dagegen. Sie bringt damit einen zentralen Unterschied zwischen Amerika und Europa auf den Punkt: Amerikaner glauben an die Demokratie. Ihr ging es primär nicht um die Frage, ob ein Krieg gegen den Irak richtig sei (oder falsch), sondern ob ein Krieg von der Mehrheit der Menschen getragen würde. Die Europäer stehen schon aus dem Quell eigener historischer Erfahrung demokratischen Verfahren skeptischer gegenüber. Es geht im Kern um die Frage, ob eine demokratische Mehrheit sich auch irren kann. Natürlich, ist man versucht zu sagen. Auch Millionen können irren. Wer so argumentiert, muss aber gleichzeitig auch einen (besseren) Masstab für richtiges Handeln anführen können. Und das ist gar nicht so leicht. Es erfordert einen Rückgriff auf Werte. Aber welche Werte sind die richtigen?

Es mag schon stimmen, dass die Mehrheit nicht das Mass aler Dinge ist. Aber das entbindet die Europäer nicht von der Last einen Rahmen dieser Werte zu argumentieren, der dem absoluten Primat des demokratischen Prinzips überlegen ist.Sonst laufen sie Gefahr einmal mehr nicht ernst genommen zu werden.

05.10.2002, Eigenrisiko  

Frankfurt Airport. Fast dreizehn Monate nach dem Terrorangriff erwartet einen immer noch mehrfache Sicherheitskontrollen. Neben den deutschen Kontrollen, die ohnehin immer schon viel genauer waren als in den USA, und stets das neueste Gerät nutzten (verspielt sind sie ja, die Deutschen!), muss man sich auch noch einer weiteren Kontrolle nach amerikanischen Grundsätzen unterziehen. Denn nur was nach amerikanischem Muster ausgewählt ist, darf auch nach Amerika fliegen. Mit Ausnahme von mir. Wie? Ja, ich bin nach der ersten Sicherheits- und anschliessenden Passkontrolle in die Lounge gegangen, und auf dem Weg zurück hab' ich mich verirrt, und bin völlig überraschend auch für mich am Gate gelandet, ohne je die zweite Sicherheitskontrolle durchschritten zu haben, und musste dann mehr als eine Stunde warten, weil alle anderen in der Sicherheitskontrolle, die ich so mir nichts Dir nichts umlaufen hatte, festhingen. Effektivität ist anders. Effizienz ohnehin.